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NABU startet Probebohrungen auf der Ölgangsinsel
Machbarkeitsstudie untersucht Wiederbelebung der Flutmulde auf der Ölgangsinsel

Am Mittwoch, den 3. November starten auf der Ölgangsinsel Probebohrungen. "Der NABU sucht auf der Neusser Insel jedoch mitnichten nach Öl. Wir untersuchen im Rahmen einer Machbarkeitsstudie, in welcher Form die Wiederbelebung der verlandeten Flutmulde auf der Ölgangsinsel erfolgen kann", so Klaus Markgraf-Maué, Leiter des Projektes bei der NABU Naturschutzstation e.V. in Kranenburg. "Die Beprobung soll Aufschluss geben über mögliche Belastungen des Bodens und die Eigenschaften des Untergrundes als Grundlage für die wasserbauliche Planung des Vorhabens". Die Schwebstofffracht des Rheines sei insbesondere im letzten Jahrhundert oft erheblich mit Schadstoffen belastet gewesen. Bei Hochwasser sei daher im Rheinvorland in Abhängigkeit von den Strömungsverhältnissen zum Teil belastetes Bodenmaterial abgelagert worden. Vor Beginn von Maßnahmen sei es deshalb notwendig, sich einen Überblick über die Verhältnisse auf der Ölgangsinsel zu verschaffen. Zu diesem Zweck werden im Verlauf der alten Rinne 13 Sedimentproben entnommen und analysiert.


Bei den Sondierungen wird auch der Landschaftsverband Rheinland - Rheinisches Amt für Bodendenkmalpflege in Bonn zugegen sein. Dort erwartet man, dass der Feuchtboden in dem verlandeten Altwasser Pflanzenreste und Pollenkörner aus früheren Jahrhunderten konserviert hat und somit quasi als Archiv der Geschichte Rückschlüsse auf die frühere menschliche Nutzung der Landschaft erlaubt.
Die Machbarkeitsstudie soll klären, wie das Nebengewässer zu gestalten ist, um die Ziele des Naturschutzes zu erreichen ohne die angrenzenden Nutzungen zu beeinträchtigen.

 

In Neuss bietet sich mit dem Naturschutzgebiet "Ölgangsinsel" die große Chance, eine ehemalige Insel wieder zu erschaffen. Die nahe dem Neusser Hafen gelegene Rheininsel wurde im 19. Jahrhundert durch Dämme mit dem Ufer verbunden. Daraufhin verlandete dieser Seitenarm des Rheines. So kommt es, dass

er nur noch bei Hochwasser durchflossen wird und dann auch rasch wieder trocken fällt.

 

Flutmulde auf der Ölgangsinsel bei Neuss

© 2004 Klaus Markgraf-Maué

Auf diese Weise ist die einst prägende vielfältige Auenlandschaft am Rhein weitgehend verloren gegangen und der Fluss ökologisch verarmt.  "Deshalb wollen wir gemeinsam mit dem BUND Neuss und weiteren Akteuren aus der Region die Hochflutrinne wieder tiefer legen, so dass sie regelmäßig vom Rhein durchströmt wird", so Klaus Markgraf-Maué. Solche Flachwasserzonen seien besonders wichtig zum Beispiel als Laich- und Jungfischlebensraum strömungsliebender Fischarten. Die Flachwasserzonen im Hauptstrom sind aktuell durch die Schifffahrt starkem Wellenschlag ausgesetzt und damit als Lebensraum für diese Arten weitgehend entwertet.
Das von der Stadt Neuss unterstützte Vorhaben "Revitalisierung der Flutmulde auf der Ölgangsinsel" wurde jüngst von der Deutschen Umwelthilfe zum "Projekt des Monats" gekürt. Es ist eines von insgesamt 15 Modellprojekten, die der NABU innerhalb des Projektes "Lebendiger Rhein - Fluss der tausend Inseln" vorantreibt. Neben der Deutsche Bundesstiftung Umwelt fördern die Deutsche Umwelthilfe DUH, die Michael-Otto-Stiftung für Umweltschutz, die Kurt Lange Stiftung Bielefeld und Kyocera Mita Deutschland das auf vier Jahre angelegte Projekt. Der NABU will damit beispielhaft aufzeigen, wie am Rhein wieder mehr Raum für Flussnatur geschaffen werden kann, ohne seine Funktion als Bundeswasserstraße zu beeinträchtigen.

 

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